Welches Wissen habe ich bereits, wenn ich feststelle, was ich nicht weiß? Wie sprechen wir in einem wahrhaftigen Dialog über unsere unterschiedlichen Meinungen? Was macht ein gutes Leben aus? Und wie verändert Technik unser Verhältnis zur Welt? Solche Fragen bildeten den Ausgangspunkt meiner Vorlesung zur Einführung in die Philosophiegeschichte an der Katholischen Stiftungshochschule München.

Mit Studierenden der Religionspädagogik und Sozialen Arbeit ging es von Sokrates und Platon über Kant bis zu Heidegger und Rawls. Mir war dabei wichtig, die historischen Positionen als Gesprächsangebote für unsere Gegenwart zu erschließen: Was machen sie sichtbar? Wo können wir ihnen widersprechen? Und wie lässt sich mit ihnen über heutige Lebensfragen, soziale Herausforderungen und die spätere berufliche Praxis nachdenken?

In Vorträgen, gemeinsamer Textarbeit und offenen Diskussionen verbanden wir philosophische Argumente mit unseren konkreten Erfahrungen: Platons Überlegungen zur Bedeutung des Todes für unser Leben mit Fragen der Sterbebegleitung, Descartes unzweifelhaftes Wissen mit dem derzeitigen Wegbrechen von Gewissheiten, Kants Begriff vom Selbstdenken mit der Aufgabe, die es uns angesichts polarisierender und skandalierender, grundsätzlich medienstrukturierter Diskursräume stellt, oder Heideggers Technikphilosophie mit unserem zukünftigen Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Besonders gefreut haben mich die Neugier und die lebhaften Diskussionen der Studierenden. Sie haben das Seminar zu einem gemeinsamen Denkraum gemacht – und gezeigt, wie gegenwärtig alte Texte werden können, wenn wir ihnen unsere eigenen Fragen stellen. Bis zum nächsten Semester!